Grußworte

Prof. Dr. Michael Piazolo
Staatsminister für Unterricht und Kultus

Das Herz des Theaterlebens an bayerischen Gymnasien schlägt heuer am Humboldt-Gymnasium Vaterstetten. Aus allen Regierungsbezirken kommen Theatergruppen zu den 63. Theatertagen der bayerischen Gymnasien in Vaterstetten zusammen und präsentieren ihre neuesten Produktionen. 

Vielfalt und Ideenreichtum der eingereichten Beiträge zeugen von der besonderen Theaterkultur, die an Bayerns Schulen gewachsen ist. Längst steht nicht mehr die Aufführung von Texten auf der Schulbühne im Vordergrund. Vielmehr geht es um die Entdeckung von Schule als performativem Spielort. Interaktionen als Inszenierungen zu begreifen, über körperliche Präsenz zu kommunizieren, sich in Rollen zu erproben und zu präsentieren – das sind wichtige Kompetenzen, die Schülerinnen und Schüler bei der Theaterarbeit einüben. Videos, digitale Soundkompositionen oder Elemente aus Computerspielen kommen zum Einsatz und zeigen das Potenzial der Theaterarbeit für einen produktiven Umgang mit Medien und für einen fächerübergreifenden Unterricht.

Wir im Kultusministerium unterstützen die Durchführung von Theatertagen und die professionelle Ausbildung von Theaterlehrkräften. Denn der beeindruckende Einsatz der theaterbegeisterten Teams von Schülerinnen, Schülern und Lehrkräften zahlt sich aus, wie wir bei den Theatertagen in mitreißender Weise erleben. Für dieses besondere Theaterfestival habe ich sehr gerne die Schirmherrschaft übernommen und wünsche allen Beteiligten unvergessliche Theatererlebnisse und intensive Begegnungen


Christian Stückl
Intendant des Münchner Volkstheaters

In einer Probe zu den Passionsspielen beobachtete ich einen 12-jährigen Jungen, der nicht singen woll- te. Er stand in der Ecke der Bühne und als ich ihn aufforderte mitzusingen, gab er mir zur Antwort, dass sein Vater nicht singt und auch sein Großvater nicht, „warum also ich?“. Mir war klar, dass ihn nichts in der Welt zum Singen bringt und so steckte ich ihn in die Gruppe der Schafhirten, die nicht sin- gen musste. Von diesem Tag an wich er mir nicht mehr von der Seite, er ging völlig in seiner neuen Rolle auf und wurde zum leidenschaftlichen Thea- terspieler, der nun auch singt. Ein anderer Junge wurde mir von seiner Lehrerin als grob und undiszi- pliniert geschildert, ich nahm ihn auf die Bühne und gab ihm eine kleine Rolle. Er war völlig begeistert und blühte auf.

Immer wieder mache ich die Beobachtung, dass Ju- gendliche die Bühne als einen Freiraum begreifen, als einen Ort, an dem sie mit Stimme und Körper, ih- rer Fantasie und ihrer Emotion Ausdruck verleihen können. Theaterspiel fördert alle wesentlichen Din- ge, die wir im Leben brauchen. Theater erweitert unsere Wahrnehmung, verlangt große Aufmerk- samkeit und Präzision, fördert geistige und körperli- che Beweglichkeit, das Verständnis für soziale Situ- ationen und den Teamgeist. Und dabei ist es völlig

egal, ob Jugendliche in Figuren von Shakespeare hi- neinschlüpfen oder in Improvisationen selbst Texte und Situationen erfinden. Schultheater hilft nicht nur denen, die später Schauspieler werden wollen, es hilft allen, die später eine Rede halten sollen, die an- dere von etwas überzeugen möchten. Also allen. Viele Lehrerinnen und Lehrer haben das begriffen und ihr engagierter Einsatz für das Schultheater kann gar nicht genug herausgehoben werden. Ihnen gilt ganz besonderer Dank für ihre Arbeit. Dank ge- bührt auch allen, die dieses Festival ermöglicht ha- ben sowie den Förderern der Theatertage.

Und jetzt kann man nur noch gespannt sein, was die Schülerinnen und Schüler auf die Bühne bringen. Also – VORHANG AUF!


Rüdiger Modell
Oberstudiendirektor

Das Humboldt-Gymnasium Vaterstetten veranstaltet in diesem Jahr die Theatertage der bayerischen Gymnasien. Wir sind sehr stolz, diese Veranstaltung ausrichten zu dürfen, ist sie doch in der gymnasialen Theaterszene eine der wichtigsten Jahresveranstaltungen und eine große Auszeichnung für unsere eigene hervorragende Theaterarbeit.

Schultheaterensembles verfügen zwar nicht über die Ressourcen professioneller Bühnen. Dafür können sie in weit größerem Umfang Experimente wagen und mit einem hohen Maß an Kreativität gesellschaftliche und künstlerische Entwicklungen aufgreifen. 

Die Lehrkräfte des Humboldt-Gymnasiums haben mit Ihren Schülerinnen und Schülern beste Voraussetzungen geschaffen, damit Sie, verehrte Gäste, abwechslungsreiche und vergnügliche Theatertage erleben können. Zur Verfügung stehen zwei Bühnen, die im Atrium und in der Turnhalle des Humboldt-Gymnasiums mit großem Aufwand errichtet wurden. 


Freuen wir uns also auf die  63. Theatertage der bayerischen Gymnasien und auf ein spannendes und abwechslungsreiches Programm. Ich bin mir sicher, dass bei diesem Programm für jeden etwas dabei sein wird. Den Künstlerinnen und Künstlern wünsche ich hierbei viel Erfolg und dem Publikum anregende und unvergessliche Theateraufführungen!