Kasimir und Karoline

Ödön von Horvath
Oberstufentheater des Dientzenhofer-Gymnasiums Bamberg Theaterlehrer: Dominik Stoecker und Ludwig Bieger

Die Jury zur Begründung ihrer Auswahl

Durch die in Ausstattung, Körperlichkeit, Bewegung und Text konsequent reduzierte Stilisierung des Spiels und die Verdichtung der Aufführung in einer Arenafläche gelingt es der Oberstufengruppe überzeugend, die Gefühlskälte und die Verwerfungen in den Beziehungen der Horvathschen Figuren heraus zu destillieren.

Das Stück von Horvath greift auf einen Oktoberfestbesuch der beiden Protagonisten zu (eben Kasimir und Karoline), bei dem diese – beide den unteren Schichten der Gesellschaft zugehörig – versuchen, ihre brüchige Beziehung zu kitten. Brüchig ist die Beziehung durch den Druck der wirtschaftlichen Lage der beiden und der damit einhergehenden Unsicherheit auch hinsichtlich des Selbstwertes. Vor dem Hintergrund des Volksfestgetriebes versuchen nun beide in immer neuen Ansätzen zueinander zu finden. Indes zerschellt die- se Hoffnung wie auch die auf eventuell vielversprechendere andere Lebensentwürfe an ihrer faktischen gesellschaftlichen Machtlosigkeit und ihrer Unfähigkeit des Miteinanders.

Unser Ziel ist, Elemente des Körpertheaters zu verweben mit ausdrucksstarken, wuchtigen Textstellen. Die verwendeten Bewegungselemente und Strukturen sollen dabei nicht lediglich bebildernde Funktion haben, sondern eine eigene Ästhetik erzeugen, die punktuell zusammenfindet mit dem Text bzw. der Handlung. Wichtig ist uns, dass es nicht den einen Handlungsträger gibt, sondern die Gruppe das Stück trägt und aus deren permanentem Gewebe die Protagonisten (die von mehreren Personen gespielt werden) heraussteigen und wieder in die Gruppe zurückfallen. Die Logik der stringenten Handlungsentwicklung der Vorlage soll ersetzt werden durch eine insgesamt erfahrbare Logik der Entwicklung des Geschehens.

Die Choreographien und die Gestaltung der Szenen entstehen in dem gemeinsamen Probenprozess – sei es in Kleingruppenarbeit oder im Zusammenwirken mit Tanzchoreographen. Wir arbeiten jeweils im zweiwöchigen Turnus an den Wochenenden in Probenblöcken von je drei Stunden, öfter auch in Zusammenarbeit mit ehemaligen Schülern, die Tanz studiert haben. Der zweijährige Prozess ermöglicht den Spielern ein zunehmendes Vertrautsein mit dem Stück und damit eine ausgesprochen aktive Mitgestaltung und Mitsprache.