Woyzeck

Georg Büchner
Oberstufen-Theatergruppe der Caritas Fachakademie für Sozialpädagogik Bamberg Theaterlehrerin: Jutta Hamprecht-Göppner

Die Jury zur Begründung ihrer Auswahl

Die Oberstufengruppe hat sich erkennbar intensiv in Büchners Stück über den Getriebenen vertieft und daraus ihre Szenen gestaltet. Es gelingt mit reduzierten, aber vielfältigen theatralen Mitteln, wirkungsvollem Live- Schlagzeug und starken Choreographien das Rohe und Bedrängende in der Woyzeck-Geschichte besonders sichtbar zu machen.

Für den Soldaten Franz Woyzeck ist seine Liebe zu Marie das Wichtigste auf der Welt. Für sie und die Versorgung des gemeinsamen unehelichen Kindes reibt der von Visionen Getriebene sich auf. Um seinen kargen Sold auf- zustocken und seiner Familie ein besseres Leben ermöglichen zu können, hetzt Woyzeck von einem Nebenjob zum nächsten, lässt sich ausnützen und degradieren und kommt dabei nie zur Ruhe. Marie indessen träumt von einem besseren Leben und betrügt ihn mit dem ansehnlichen Tambourmajor. Unter dem Druck gesellschaftlicher Strukturen und verfolgt von seinen eigenen Dämonen wird der Mensch Woyzeck mehr und mehr deformiert und am Ende in einen folgenschweren Ausbruch getrieben.

Die Gruppe hat im Vorjahr das Wahlpflichtfach „Theaterpädagogik“ belegt, in dem Grundlagen des Theaterhandwerks (theaterästheti-sche Mittel, Entwickeln von Bildern, Bühnenpräsenz…) erworben wurden. Mit dieser Vorerfahrung ging es ab September dieses Schuljahres an den Woyzeck, der von der The- aterlehrkraft ausgesucht wurde. Nach dem Textstudium haben wir uns zwei Filme von Woyzeck angesehen: Die alte Version mit Klaus Kinski in der Hauptrolle und die Neuverfilmung von Nuran David Calis. Wir haben interessante, uns bedeutsame erscheinende Textpassagen – oft nur einzelne Sätze – aus dem Büchnertext herausgesucht und zu diesen improvisiert. In der ersten Hälfte des Probenzeitraums von knapp 5 Monaten (September- April mit 6-wöchiger Probenpause aufgrund eines Praktikums) probierten sich alle in Improvisationen in allen Rollen aus und gaben damit den Charakteren Tiefe und Profil. Dann erfolgte die endgültige Besetzung durch die Theaterlehrkraft und das Erstellen von Rollenbiografien. Parallel dazu erfolgte die Arbeit am Text, indem gemeinsam entschieden wurde, welche Szenen es in unsere Theaterfassung „schaffen“ würden und in welcher Reihenfolge wir sie aneinanderfügen würden. Vieles wurde entwickelt und wieder verworfen, weil es auf der Bühne nicht aufging, anderes festigte sich zügig. Die Idee, mit einem Live-Schlagzeuger zu arbeiten, gab es von Anfang an und sie beeinflusste die Produktion nachhaltig, weil sich z.B. auch die Auswahl weiterer Musik an der „Kompatibilität“ mit dem Schlagzeug orientieren musste.